Eine der ersten Erkenntnisse, die Ermittler im Job machen, ist, dass es durchaus so etwas gibt wie „zu viele Daten“. Tatsächlich ist die Menge der bei einer Ermittlung anfallenden Informationen so unüberschaubar, dass sie das Vorankommen bei Fällen oft gefährdet. Detective Senior Sergeant Chris Knight ist seit 1990 bei der Polizei in Queensland und weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, Ermittlungen ohne klare Ausgangsposition beginnen zu müssen.

Sergeant Chris KNIGHT the Queensland Police Service
Detective Senior Sergeant Chris Knight ist Operations Leader bei der Homicide Investigation Unit der Polizei Queensland

„In der Vergangenheit haben wir, wenn es eng wurde, einfach immer mehr Personal eingesetzt, bis wir die gewünschten Antworten erhalten haben“, erklärt Knight, der in Queensland als Operations Leader in der Mordkommission tätig ist. „Irgendwann waren dann immer zahlreiche Beamte damit ausgelastet, die Aussagen von Tatverdächtigen zu überprüfen.“

Eine kostspielige und langsame Arbeitsweise – und dennoch die einzige Möglichkeit, Ermittlungsergebnisse zu erzielen. Mit dem Siegeszug des Smartphones schließlich wurden aus immensen Papierstapeln ganze Terabytes an Ermittlungsdaten. Und das Lösen von Fällen wurde nochmals erschwert.

Dies änderte sich erst mit dem Aufkommen von Digital Intelligence wieder: Ermittlungsansätze veränderten sich, und die Arbeit konnte dramatisch beschleunigt werden.

Laut Det. Knight ist Digital Intelligence ein wichtiger Wegweiser: Sackgassen und für nutzlose Hinweise aufgewendete Zeit gehören der Vergangenheit an. Digital Intelligence liefert Daten im Kontext, führt zielgerichtet zu Tatverdächtigen und bringt verwertbare Beweismittel ans Licht.

Wie wirksam Digital Intelligence tatsächlich ist, kann am Beispiel der Polizei Queensland eindrucksvoll illustriert werden. So konnte die Behörde in den letzten Jahren mehr als 97 % ihrer Mordfälle lösen. „Dank Digital Intelligence können wir unsere Ressourcen gezielt einsetzen. Die Zuverlässigkeit unserer Daten kann von unabhängiger Stelle bestätigt werden, wodurch die gesammelten Beweismittel auch vor Gericht mehr Glaubwürdigkeit besitzen“, erklärt Knight. Um digitale Daten bereits zu Beginn einer Ermittlung zu erfassen, setzt die Polizei von Queensland eine ganze Bandbreite von Lösungen und Funktionen zur Extraktion und Dekodierung ein – darunter Cellebrite UFED Cloud für Cloud-Extraktionen.

Ausgewogenheit zwischen digitalen Daten und traditioneller Polizeiarbeit vor Ort

Laut Knight steht und fällt die Arbeit einer Mordkommission mit dem effizienten und zielgerichteten Einsatz des verfügbaren Personals. Das soll freilich nicht bedeuten, dass in Queensland die traditionelle Ermittlungsarbeit abgeschafft wurde. Vielmehr geht heute die Datenextraktion und -analyse Hand in Hand mit konventioneller Polizeiarbeit vor Ort. Beiden Vorgangsweisen müssen lediglich gut aufeinander abgestimmt sein.

„Digitale Daten bieten ganz neue Möglichkeiten. Dennoch besteht die große Herausforderung darin, Technologie und traditionelle Ermittlungstechniken aufeinander abzustimmen“, ist Det. Knight überzeugt.

Wie bedeutsam Erkenntnisse aus digitalen Daten für Ermittlungen heute sein können, illustriert ein Fall aus Queensland, der mit einer Vermisstenmeldung begann, sich jedoch schließlich als Mordfall entpuppte: Das Opfer, eine junge Frau, war 2015 von ihrer Familie als vermisst gemeldet worden. Als ihren letzten bekannten Kontakt ermittelte die Polizei Queensland einen damals 19-jährigen Mann. In seiner Aussage bestand dieser darauf, die junge Frau von der Schule abgeholt, sie an einem anderen Ort abgesetzt und danach nicht mehr gesehen zu haben.

Den Ermittlern wurde bald klar, dass sich der Wahrheitsgehalt dieser Aussagen und der Aufenthaltsort des Verdächtigen nur mithilfe von Daten würden überprüfen lassen – und dass erst diese Erkenntnisse sie zum Opfer und möglichen Spuren für ein Verbrechen führen würden. Ebenfalls klar war, dass das Team mehrere Quellen würde auswerten müssen: Das Mobiltelefon des jungen Mannes, Überwachungskameras und Zeugenaussagen. Alle gewonnenen Erkenntnisse mussten schnell zusammengeführt, analysiert und an die Polizeikräfte, die vor Ort an der Suche beteiligt waren, weitergeleitet werden.

Da der traditionelle Ansatz – den Verdächtigen intensiver zu verhören – zu zeit- und ressourcenaufwändig gewesen wäre, extrahierte die Mordkommission mit Cellebrite UFED Touch 2 seine Mobiltelefondaten. Als sich andeutete, dass hier noch mehr wertvolle Daten zu finden waren, setzte das Labor auch Cellebrite UFED Ultimate ein.

Bei der Analyse unverschlüsselter Datenbanken lieferten Geo-Standortdaten schließlich den Hinweis, dass sich der Tatverdächtige entgegen seiner Aussage ca. 5 Kilometer südlich vom angeblichen Aufenthaltsort aufgehalten hatte.

Effizienter Einsatz vorhandener Ressourcen

Ab diesem Punkt nahm die Ermittlung endgültig Fahrt auf. Mit Cellebrite Physical Analyzer und den Data-Carving-Funktionen der Lösung begannen die Ermittler, Daten aus verschiedenen Quellen zu analysieren. Da der neu ermittelte Aufenthaltsort des Verdächtigen sich in einer ländlichen Region befand, baten die Beamten örtliche Unternehmen und Bewohner, Videomaterial von Überwachungskameras auszuhändigen und in der Umgebung nach Hinweisen auf das vermisste Mädchen zu achten.

Während die Polizei mit der manuellen Auswertung der Überwachungsvideos begann, zeigte der Aufruf an die lokale Bevölkerung bald Wirkung: Binnen zwei Wochen nach Eingang der Vermisstenmeldung wurde die Leiche der jungen Frau gefunden.

„Zu glauben, die Polizei könnte das gesamte in Frage kommende Gebiet absuchen, ist illusorisch“, ist Det. Knight überzeugt. „Ja, vielleicht hätten wir die Leiche auch mit traditionellen Ermittlungsmethoden gefunden.“ Doch tatsächlich ermöglichte erst die Analyse der Telefondaten, das Gebiet einzugrenzen und sich mit konkreten Bitten an die örtliche Bevölkerung zu richten. Damit konnte die Suche nach dem Opfer deutlich verkürzt werden.

Nun, da eine Leiche und ein Fundort vorhanden waren, konnten die Ermittler noch mehr Beweise sammeln. Eine UFED-Datenextraktion aus einem unverschlüsselten Bereich der Telefondatenbank förderte gesprochene Navigationshinweise aus Google Maps zutage. Da sich der Tatverdächtige in einem ländlichen Gebiet aufgehalten hatte, waren die von ihm befahrenen Straßen schnell identifiziert und anhand der Aufnahmen von Überwachungskameras bestätigt.

Daneben werteten die Ermittler auch Web-Suchläufe aus, die Cellebrite Physical Analyzer vom Mobilgerät des Verdächtigen abgerufen hatte. Dabei zeigte sich: Nur einen Tag vor dem Mord hatte der junge Mann nach dem „besten Weg, eine Leiche verschwinden zu lassen“ gegoogelt.

Digitale Daten bringen Verdächtigen mit Tatort in Verbindung – und geben Aufschluss über das Motiv

Gerade diese Sucheingabe erwies sich bei der Urteilsfindung als hochrelevant: Nachdem die Ermittler der Polizei Queensland den Tatverdächtigen unmittelbar nach Auffinden der Leiche wegen Mordes verhaftet hatten, bot dieser nämlich kurz vor Beginn der Verhandlung an, sich im Gegenzug für eine Verurteilung wegen Totschlags schuldig zu bekennen. Doch als sich herausstellte, dass er nur einen Tag vor der Tat über die Beseitigung von Leichen recherchiert hatte, war klar, dass die Staatsanwaltschaft in einer starken Position für eine Mordanklage war.

Anhand der bei der Datenerfassung gesammelten Telefondaten und Web-Suchen sowie der Aufnahmen von Überwachungskameras kartografierten die Ermittler schließlich ein detailliertes Bewegungsmuster. Mit diesem konnten die anfänglichen Aussagen des Tatverdächtigen zu seinem Aufenthaltsort vor Gericht widerlegt werden.

Der Verdächtige wurde für schließlich für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Dank der Stärke der digitalen Beweismittel – die eindrucksvoll seine Lügen und Vertuschungsversuche untermauerten – wurde ein Berufungsantrag abgelehnt.

Von der Datenerfassung zur sinnvollen Auswahl und Analyse

Dass neue Arten von Daten signifikant zur Lösung von Fällen wie im Beispiel von Queensland beitragen können, ist unstrittig. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass Ermittler auch die entsprechenden Werkzeuge haben, um diese Daten zu erfassen und auszuwerten.

„Die Interpretation von Daten geht mit ganz neuen Herausforderungen einher“, erklärt Det. Knight. „Neben Daten, die bereits routinemäßig ausgewertet werden, etwa Aufzeichnungen von Überwachungskameras, gibt es natürlich auch immer mehr Telefondaten, da die Speicherkapazität von Smartphones stetig zunimmt. Die Erfassung ist da nur die eine Seite. Richtig schwierig wird es bei der Überprüfung und Auswahl. Hier sind wir heute auf automatisierte und vertrauenswürdige Tools angewiesen – wichtige Entscheidungen hängen von deren Erkenntnissen ab.“

Auch der Faktor Zeit spielt eine wichtige Rolle: Da Aufzeichnungen von Überwachungskameras meist nur für begrenzte Zeit gespeichert werden, steigt der Druck, umfassende Datenmengen schneller auszuwerten. „Überwachungsaufnahmen sind oft schon nach 7 bis 10 Tagen nicht mehr verfügbar. Je schneller wir Daten auswerten können, desto eher können wir relevante Orte ausfindig machen und dort eventuell vorhandenes Videomaterial sichten. Jedes Analyse-Tool, das uns hier in die richtige Richtung weist, ist von enormem Wert für uns.“

Mit digitalen Daten schneller zum Fallabschluss

Traditionelle Ermittlungstechniken und Analysefähigkeiten der Ermittler haben für Det. Knight nach wie vor ihre Berechtigung. Die eigentliche Herausforderung, vor der Behörden zurzeit stehen, liegt darin, sie sinnvoll um eine digitale Beweisaufnahme und -auswertung zu ergänzen.

„Wird der Wert von Digital Intelligence überschätzt oder nicht richtig verstanden, besteht das Risiko, dass man unaufmerksam wird und den Daten zu viel Gewicht beimisst. Traditionelle Ermittlungsmethoden können dadurch beeinträchtigt werden. Wir müssen weiterhin vor Ort Ermittlungen und Befragungen durchführen, das lässt sich nicht ändern. Die beiden Ansätze – traditionell und digital – können nicht getrennt voneinander gesehen werden. Sie müssen sich ergänzen.“

Dieser Balanceakt ist laut Knight übrigens nie vollständig abgeschlossen. So konnte seine Behörde in den zwei Jahren vom Beginn ihrer Ermittlungen bis zur Verurteilung des Mörders noch weitere Beweise aufdecken: „Noch vor Beginn des Gerichtsverfahrens fütterten wir neue, fortschrittlichere Analyse-Tools mit den exakt gleichen Daten wie zu Beginn der Ermittlung. Dabei kamen weitere Beweise ans Licht, die noch mehr Klarheit in den Fall gebracht haben.“

Knight ist zuversichtlich, dass mit fortschreitender Innovation im Hinblick auf Digital Intelligence auch die Polizei die neuen Technologien immer besser einsetzen wird. „Technologie kann nicht alle Probleme lösen“, ist er überzeugt. „Doch sie kann die Zeit, die wir benötigen, um an der richtigen Stelle nach Antworten zu suchen, verkürzen.“

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