Geschmuggelte Mobilgeräte werden in Gefängnissen für eine Vielzahl illegaler Aktivitäten genutzt. Im Folgenden präsentieren wir eine wirksame Digital-Intelligence-Strategie gegen dieses Problem.

Die meisten stellen sich das Leben im Gefängnis als telefonloses, vom Kontakt mit der Außenwelt abgeschottetes Dasein vor. Die Realität sieht jedoch anders aus: Überall auf der Welt finden geschmuggelte Mobiltelefone immer wieder ihren Weg in die Hände von Häftlingen.

Für das Security Magazine nimmt das Problem illegaler Mobiltelefone in Gefängnissen schon fast epidemische Ausmaße an: „Im Jahr 2017 fanden und beschlagnahmten Gefängnisbeamte in South Carolina ein Telefon für je drei Insassen, … in Oklahoma kam auf sechs Gefangene ein Mobiltelefon. In englischen und walisischen Gefängnissen wurden im selben Jahr mindestens 15.000 Mobiltelefone oder SIM-Karten beschlagnahmt, das entspricht einem Mobiltelefon auf sechs Insassen.“

Natürlich werden diese Telefone auch für vergleichsweise harmlose Zwecke genutzt: Insassen kommunizieren über sie mit ihren Freundinnen und Familien oder informieren sich über Google. Zugleich machte aber z. B. auch der TikTok-Hype vor Gefängnissen nicht halt – Louise Matsakis hat zu dem Phänomen Prison TikTok jüngst einen interessanten Artikel auf Wired.com veröffentlicht.

Mit 800 Millionen Nutzern weltweit ist TikTok heute die meist heruntergeladene Videosharing-App im Apple App Store. 41 % der TikTok-Nutzer sind zwischen 16 und 24 Jahren alt. Da die App inzwischen in 155 Ländern verfügbar ist, ist die Reichweite der Nutzer und ihrer Inhalte enorm.

Es überrascht nicht, dass nun auch Gefangene die App auf ihren geschmuggelten Smartphones nutzen, um alle möglichen Inhalte zu veröffentlichen – von den üblichen Tänzen und Sketchen bis hin zur Dokumentation der Zustände in den Haftanstalten und zu Aufrufen zu Gefängnisreformen.

Manche Kriminelle jedoch nutzen geschmuggelte Telefone für weitaus dunklere Zwecke.

ABC News berichtet: „In den Bundesstaaten mit den meisten Beschlagnahmungen wurden Telefone benutzt, um Familien von Mithäftlingen mit Todes- oder Gewaltandrohungen zu erpressen. Teilweise wurden komplexe Betrugsmaschen ersonnen, bei denen sich Häftlinge sogar selbst als Gesetzeshüter ausgaben.

In mindestens fünf Einrichtungen im Süden wurden Methdealer-Ringe ausgehoben, die von Gefangenen mit Mobiltelefonen betrieben worden waren. Einige von diesen hatten Verbindungen zu Gefängnisbanden wie der Arischen Bruderschaft, der irischen Mafia und der United Blood Nation. Auch bei Ausbrüchen kamen geschmuggelte Telefone zum Einsatz.

Ein Häftling in South Carolina ging so weit, für seine Flucht im Juli Drahtschneider und Bargeld per Drohnenlieferung zu ordern.“

Von der Leitung eines Kokainrings über die Koordinierung gezielter Tötungen bis hin zur Anstiftung und Organisation von Unruhen werden geschmuggelte Telefone zu einem Albtraum für diejenigen, die mit der Verwaltung von Hochsicherheitsgefängnissen betraut sind.

ANWENDUNGSFALL IM FOKUS: Warum der Kampf gegen Kindesmissbrauch auch hinter Gefängnismauern tobt.

Als eine deutsche Justizvollzugsanstalt jüngst geschmuggelte Telefone von Häftlingen auf illegale Aktivitäten untersuchen wollte, wandte man sich nach der Beschlagnahmung der Geräte an Cellebrite. Wie sich zeigte, waren die Telefone erst kürzlich für Tethering genutzt worden; auch ein aktivierter Hotspot wurde erkannt. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die betreffenden Insassen einen gültigen Vertrag mit einem Mobilfunkbetreiber abgeschlossen hatten und ihre Verbindung zum Surfen im Internet genutzt hatten. Eine weitere Analyse der Cloud-Extraktion ergab eine Dropbox-Anwendung, die kinderpornografische Bilder enthielt. Am Ende deckten die Behörden ein ganzes Kindesmissbrauchsnetzwerk außerhalb des Gefängnisses auf.

Die Strafen für den Besitz geschmuggelter Telefone sind hoch – 2010 unterzeichnete Präsident Barack Obama ein Gesetz, das den illegalen Besitz eines Mobiltelefons im Gefängnis mit bis zu einem Jahr Haft bestraft –, die Beschaffung eines Mobiltelefons im Gefängnis jedoch ist gar nicht so schwer.

Mal werden sie von skrupellosen Wärtern eingeschleust, mal schmuggeln Besucher sie am (oder sogar im) Körper zu den Gefangenen. Wiederum andere Häftlinge lassen sich die Geräte per Drohne über die Zäune „einfliegen“.

Trotz der Strafen werden Strafvollzugsbeamte der Schwemme an Mobilgeräten (die zudem teilweise Marke Eigenbau sind) nicht mehr Herr. Und die Geräte zur Extraktion an externe Einrichtungen zu senden, ist kostspielig und zeitaufwendig.

Genau aus diesem Grund interessieren sich immer mehr Einrichtungen für Digital-Intelligence-Lösungen, mit denen sich Extraktionen beschleunigen und verwertbare Informationen schneller abrufen lassen. Darüber hinaus sollen die neuen Lösungen einen schnelleren Informationsaustausch mit anderen Strafvollzugseinrichtungen und externen Behörden ermöglichen – mitunter verfolgen diese unwissentlich Kriminelle, die bereits in einer Einrichtung einsitzen.

Die Herausforderungen

Die Herausforderungen im Zusammenhang mit geschmuggelten Telefonen in Justizvollzugsanstalten sind zahlreich und kompliziert.

Die Menge der Geräte, die in Gefängnisse geschmuggelt werden, ist überwältigend, und die Kluft zwischen der Zahl der monatlich beschlagnahmten und der neu eingeschmuggelten „schmutzigen“ Telefone wird immer größer.

Die Beschlagnahmung von Geräten ist jedoch nur die halbe Miete. Der Zugriff auf Feature-Phones oder selbstgebaute Geräte ist das viel größere Problem. Gefangene benutzen eben nicht gerade die neuesten iPhones. Teilweise stammen die Handys aus dem 3D-Drucker oder wurden aus Spielzeug hergestellt (eine kurze Google-Suche liefert hier ein paar kreative Beispiele). Werden diese Geräte dann bei einer Razzia noch von den Gefangenen mutwillig beschädigt, wird die Auswertung endgültig knifflig.

Hinzu kommt aber auch ein Mangel an Fachkenntnissen, Wissen und Ausbildung sowohl auf Seiten des internen als auch des externen Personals, das für Extraktionen eingesetzt wird.

Für dieses digitale Problem gibt es zwar eine digitale Lösung – doch erfordert diese ein Umdenken bei den Strafvollzugsbehörden. Für erfolgreiche Datenextraktionen von beschlagnahmten Telefonen vor Ort braucht es geeignete Tools und entsprechende Schulungsmaßnahmen.

Wie künstliche Intelligenz helfen kann

Justizvollzugsbeamte haben nicht die Zeit (oder die Nerven), Tausende von Textnachrichten, Bildern und Videos durchzugehen. Mithilfe von KI können sie jedoch aus Datenmengen, die in selbst einfachsten Geräten gespeichert sein können, verwertbare Erkenntnisse gewinnen und versteckte Verbindungen finden. Neben den auf den Telefonen enthaltenen Daten können Tokens Ermittler zu einer Fülle von Cloud-Daten führen, die möglicherweise digitale Beweise zur Aufdeckung von Straftaten enthalten.

Die meisten Kommunikationsplattformen im Gefängnis, wie GTL oder Jpay „überwachen und transkribieren“ (mit einer Mischung aus menschlicher Überwachung und KI) Schlüsselwörter, die als „Watchlisten“ in KI-gestützte Digital-Intelligence-Lösungen integriert werden können. Dadurch wird sichergestellt, dass ein gründlicher Scan aller Daten durchgeführt wird, ohne die begrenzten personellen Ressourcen zu überlasten.

Mit KI lässt sich auch die Sammlung und Korrelation von Daten sowie die Erstellung von Querverweisen automatisieren, um versteckte Spuren und unerwartete Verbindungen zu finden.

Sichere Datenverwaltung und Zusammenarbeit

Beim Management des Ermittlungsprozesses müssen unter Umständen SOPs und Vorschriften durchgesetzt und verdächtiges Verhalten von Benutzern überprüft werden. Eine zentralisierte Kooperationsplattform ist hier zur Überwachung aller Aktivitäten von unschätzbarem Wert. Sie ermöglicht allen Beteiligten an mehreren Standorten einer Institution (und darüber hinaus) Zugriff auf relevante Daten.

Bei der Verfolgung von Sicherheitsbedrohungen in Strafvollzugsanstalten kommt es immer häufiger zu Überschneidungen mit der Arbeit, die Ermittlungsbehörden außerhalb der Gefängniseinrichtungen leisten. Das zeigt, dass mitunter mehrere Behörden dieselben kriminellen Gruppen verfolgen, beobachten oder gegen sie ermitteln, ohne sich bewusst zu sein, dass eine andere Behörde möglicherweise dasselbe tut.

Hier können neue Beziehungen und Partnerschaften entstehen – wenn verwertbare Erkenntnisse gemeinsam und koordiniert von allen involvierten Behörden genutzt werden.

Die DI-Lösung für Justizvollzugsanstalten

Die ganzheitliche Digital-Intelligence-Lösung von Cellebrite für Justizvollzugsanstalten vereinfacht den Umgang mit eingeschmuggelten digitalen Geräten und gestattet einen Ermittlungsfluss, der für mehrere Beteiligte effektiv, effizient und handhabbar ist. Die Lösung basiert auf einer einheitlichen Ermittlungsplattform und ermöglicht es Beamten in Justizvollzugsanstalten dank effektiver Zugriffs-, Verwaltungs- und Analysefunktionen, verwertbare Informationen schneller ans Licht zu bringen. So erleichtert Cellebrite Befehlsentscheidungen und vereinfacht den Austausch wichtiger Informationen.

Natürlich steht und fällt der Aufbau einer Digital-Intelligence-Plattform zur Ermittlung von Schmuggelware in Gefängnissen mit der Auswahl des richtigen Partners. Cellebrite arbeitet täglich eng mit Justizvollzugsanstalten und anderen Bereichen der Strafverfolgung auf der ganzen Welt zusammen.  Wir entwickeln wirksame langfristige Strategien und helfen gleichzeitig dabei, die drängendsten Probleme von heute zu lösen.

Hier erfahren Sie mehr darüber, wie die Digital-Intelligence-Experten von Cellebrite Ihr Team unterstützen können.

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